Beat Zoderer

Magma Plaxum

BEAT ZODERER
We are delighted to announce Beat Zoderer's solo show entitled Magma Plaxum, at Haus der Kunst, Solothurn, Switzerland.

The presentation will be on view from August 11 to October 7.

Magma Plaxum / Die grosse Faltung

Im Kirchenschiff die grosse Faltung. Die zwei Treppenstufen nimmt die Skulptur ebenfalls ein und endet direkt an der Altarwand. Das raumfüllende Werk ist nicht verputzt. Es wird auch nicht gestrichen und es wird kein Graffiti draufgesprüht. Beat Zoderer‘s Skulptur ist aus dreilagigem Wellkarton gebaut. Herrlich ist es zu beobachten, wie das Sonnenlicht fein über die Kanten rutscht und die nächste Fläche zum Erscheinen bringt. Das Werk zeigt das wechselnde Spiel des Lichtes. Die dumpfen Schatten. Sie sind ebenso wichtig wie die ganz scharfen Glanzlichter am Boden, welche spitz in die andere Seite hinüber strahlen.

Kunstschaffende kennen diesen Karton. Verwendet wird er im Ausstellungsbereich, nämlich zum Schutze der Bilder. Um Transportkosten zu minimieren, greifen Kunstinstitutionen oft zu diesem Material, denn so müssen nicht aufwändig gebaute Transportkisten hergestellt werden, die das Budget einer Ausstellung enorm in die Höhe steigen lassen.

Die grosse Faltung ist aus Karton. Bei der Anlieferung dieser 5.1 Meter langen Einzelteile war klar, dass hier etwas Gigantisches geschehen wird. In den folgenden Tagen hat der Künstler zusammen mit seinen Assistenten Leni und Maurice diese Elemente gefalten, gestellt und verleimt. Und bald hat sich im fortschreitenden Arbeitsprozess eine Wand gebildet. Teile in dieser Grösse werden zur Mauer. Es ist sofort körperlich zu erfahren. Im Büro, dem nördlichen Teil, sass ich plötzlich im Schatten. Wollte man etwas holen, mussten immer längere Wege zurück gelegt werden. Das Zurufen verstand ich plötzlich akustisch nicht mehr. Mauern haben das an sich.

Bei den Frühwerken von Beat Zoderer habe ich oft eine feine Ironie gespürt. Indem er Wandobjekte und Bilder mit farbigen Bundesordner gebaut hat, wurde damit die Bürowelt auch gleichzeitig auf die Schippe genommen. Collagen, zusammengesetzt aus den transparenten Sichtmappen wirken wunderschön verspielt und zeigen ebenso seine Neigung zur konkreten und konstruktiven Kunst. Es ist so, wie Arbeiten im Büro und trotzdem Tagträumen.

Das Werk, das nun im Haus der Kunst St. Josef ausgestellt ist, schwenkt in eine andere Richtung. In seinem Hintergrund ist nicht das Augenzwinkern des Künstlers, sondern dessen Reife. Die grosse Faltung spricht hier im Kirchenschiff der ehemaligen Klosterkirche St. Josef nicht nur einen historischen, klerikalen Punkt an. Wir leben heute in einer Zeit, wo Mauern gebaut werden.
Staaten kriegen Mauern von ihrem Nachbarn und errichten gleichzeitig Mauern zu anderen Nachbarländern. Es wurden noch nie so viele Mauern gebaut wie heute. Ist es nicht Zeit, darüber nachzudenken? Was soll das? In einer Zeit des www, des freien Datentransfers? Nachdenken vielleicht über die eigenen lieb gewordenen Mauern, Zäune und Hage zu Hause? Den Wänden und Schwellen? Wo sitzen die Mauern in unserem Kopf, die veranlassen, dass wir einer grossen Faltung gleich, nicht einfach klar und geradlinig handeln, sondern um Ecken rum denken?
Beat Zoderer hat die Faltung aus Karton gebaut. Das hat seinen guten Grund.

Exhibition Website